Keine neue Wehrpflicht

Die Wehrpflicht ist ein typisches Sommerloch. Sie würde keine Probleme bei der Bundeswehr lösen, sondern neue schaffen. Wir brauchen die jungen Leute möglichst schnell als Fachkräfte – gerne auch im Cyberbereich der Bundeswehr und nicht als billige Arbeitskräfte.

Sieben Jahre nach dem Ende der Wehrpflicht diskutiert Deutschland wieder über eine Dienstpflicht. Junge Menschen sollen dazu verpflichtet werden, sich nach der Schule eine Zeit lang für die Gesellschaft zu engagieren – sei es in der Pflege, im sozialen Bereich oder bei der Bundeswehr. Der Vorstoß ist bei Politikern umstritten, Wohlfahrtsverbände in der Region sind überwiegend skeptisch.

Mehr Solidarität und Zusammenhalt in der Gesellschaft – das versprechen sich die Befürworter eines verpflichtenden Dienstjahres für alle. Bisher kann dies lediglich freiwillig im Rahmen eines Bundesfreiwilligendienstes abgeleistet werden. In Bayern engagieren sich insgesamt rund 3.400 Frauen und Männer als „Bufdis“.

Nachwuchsprobleme bei Pflege und Bundeswehr jedoch kann nur vereinzelt festgestellt werden – und die sind nicht stärker zu spüren als in anderen Branchen. Zu den Kritikern bezüglich einer allgemeinen Dienstpflicht zählt unter anderem die Diakonie. Sie lehnt die Einführung entschieden ab. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass Teilnehmer eines Freiwilligenjahres sehr viele Erfahrungen sammeln, ist aber skeptisch, dass das unter Zwang funktioniert. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) argumentiert ähnlich, wie auch der Paritätische Wohlfahrtsverband.

Keiner braucht eine Rückkehr zur Wehrpflicht. Weder die Bundeswehr noch junge Leute, noch Pflegedienste. Die Bundeswehr hat ganz andere Probleme, sie schafft es kaum, die bestehende Truppe ausreichend auszustatten. Viel wichtiger als Zivildienstleistende sind Fachkräfte – sowohl im Pflegebereich als auch bei der Bundeswehr. Mit einem verpflichtenden Gesellschaftsjahr würde jungen Menschen lediglich kostbare Zeit geraubt, die sie lieber in ihre Ausbildung investieren sollten.

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